
HERSTELLER
serien Raumleuchten GmbH
Rodgau
serien.com
DESIGN
Inhouse
Jean-Marc da Costa
Das jüngste Mitglied der Leuchtenfamilie ergänzt die Tisch-, Decken- und Bodenvariante um ein Modell für die Wandmontage. Auch hier gibt das puristische Rahmenprinzip die formale Erscheinung vor, allerdings wird nun der Rahmen zum Leuchtkörper selbst und integriert das 12 Watt leistende und tauschbare LED-Modul besonders smart. Trotz ihrer kompakten Abmessungen – sie greift nur 120 Millimeter in den Raum aus – produziert die Wandleuchte einen Lichtstrom von bis zu 1470 Lumen. Die satinierte Glasabdeckung sorgt für blendfreie Abstrahlung, sowohl bei der Nutzung als Up- wie auch als Downlight. Praxisgerecht mitgedacht wurde auch die Montage. Nach der Anbringung des wandseitigen Adapters wird die Elektronik sowie die Leuchte selbst einfach aufgesteckt, die elektrischen Verbindungen stellen sich dabei selbst her.
JURY STATEMENT
Die Leuchte vermittelt eine entspannte Zurückhaltung, wirkt ausgesprochen elegant und ist physisch nur minimal präsent. So reduziert kann sie sich in jeden Kontext einfügen, sogar in ein Barockschloss würde sie bestens passen. Explizit positiv zu erwähnen ist zudem der ausgeklügelte und perfektionierte Montageprozess.

„Unser ansatz heißt:
so viel wie nötig und so
wenig wie möglich.“
Was steht am Anfang einer neuen Leuchte – die Designidee oder die Lichttechnik?
JEAN-MARC DA COSTA: Je nachdem. Die Reflex-Familie geht auf das Jahr 1984 zurück, als die Halogentechnik ganz aktuell war und wir die Chance sahen, eine filigrane, indirekt wirkende Deckenleuchte entwickeln zu können. Wir haben einen einfach herstellbaren Reflektor gestaltet, der mit vertikalen Streben mit Abstand zur Decke montiert wird und das Licht des Halogenstabs nach oben richtet. Das war damals ein sehr erfolgreiches Produkt. Mit der LED-Technologie bekamen wir dann die Option an die Hand, die damalige Idee gründlich zu überarbeiten und eine andere formale Lösung zu finden. Geblieben sind die Streben, die dort integrierte Stromführung, die Nutzung des Deckenanschlusses und das indirekte Licht.
Die „Reflex2 Wall“ ist formal extrem reduziert – schränkt dieser Ansatz das Design nicht sehr ein?
JEAN-MARC DA COSTA: Nein, denn tatsächlich sehen wir das nicht als Einschränkung, sondern positiv, als Herausforderung. Wir streben nach der maximalen formalen Reduktion, unser Ansatz heißt ‚so viel wie nötig und so wenig wie möglich‘. Im Prinzip feilschen wir um jeden Millimeter, aber am Ende muss die Technik reinpassen und alles produktionstechnisch umsetzbar sowie skalierbar sein. Das gelingt uns, weil wir im Prinzip alles inhouse entwickeln und durchdenken. Dazu gehört auch die einfache Montage. Bei der „Reflex2 Wall“ kommt noch die komfortable Möglichkeit zur Nivellierung der Leuchte hinzu.
Viele Ihrer Leuchten erlauben die stufenlose Veränderung der Lichttemperatur. Wie relevant ist dieses Feature?
JEAN-MARC DA COSTA: Tuneable White ist so relevant, weil Sie damit die Lichtfarbe und damit das Farbklima im Raum nach Ihren Wünschen verändern können. Daneben trägt in vielen unserer Produkte die Dim-to-Warm-Regelung auch zur Lichtqualität bei: sie sorgt dafür, dass sich beim Herunterdimmen das Spektrum der LEDs in einen wärmeren Bereich verschiebt.

Ihre Produkte sind langlebig und zudem reparierbar. Was bedeutet letzteres für das Design?
JEAN-MARC DA COSTA: Die Reparaturfähigkeit ist für uns schon immer ein selbstverständlicher Aspekt. Das heißt, wenn eine Komponente tatsächlich einmal defekt sein sollte, beispielsweise eine LED-Platine oder ein Treiber, so können diese ausgetauscht werden. Außerdem vergießen wir keine Komponenten, alles ist reversibel. Die meisten unserer Leuchten sind minimalistisch im Design, in der Konstruktion aber durchaus komplex. Reparaturfähigkeit und Design schließen sich also keineswegs aus.
Der Leuchtenmarkt kennt viele Akteure – wo ordnen Sie sich dort ein?
JEAN-MARC DA COSTA: Nach 40 Jahren am Markt sind wir schon sehr etabliert – das zeigt auch die Einladung des Museums für Angewandte Kunst in Frankfurt, uns in diesem Jahr mit einer Retrospektive zu präsentieren. Wir sind ein vielfach ausgezeichneter, international bekannter Familienbetrieb mit Manufaktur-Charakter. Wir sind sehr effizient und flexibel, weil wir eben fast alles selbst entwickeln. Zugleich konzentrieren wir uns auf das, was für uns machbar ist. Im Gegensatz zu den großen Playern im Markt können wir Individualisierungen anbieten, ja sogar Unikate herstellen. Das ist für Planer sehr wichtig, entsprechend häufig werden wir angefragt. Mit dieser Expertise fahren wir seit Jahren sehr gut.
Dennoch können Sie nicht alles selbst fertigen – wie wichtig sind zuverlässige Lieferanten?
JEAN-MARC DA COSTA: Natürlich sehr, insbesondere bei den elektronischen Bauteilen, für die wir stets nur beste Zutaten verwenden. Andere Komponenten unserer Leuchten werden in der Regel speziell für uns produziert. Zum Teil sind die Lieferanten seit unserer Gründung dabei, das pflegen wir gezielt. Auch bei der Auswahl neuer Lieferanten suchen wir uns Partner, die verstehen, was wir tun, was wir benötigen und uns auf dem Weg zum anspruchsvollen Endprodukt eng begleiten. Kontinuität ist dabei enorm wichtig, denn vieles basiert auf Menschen. Ein gutes Beispiel sind unsere mundgeblasenen Glasschirme. Sie werden stets von denselben Glasbläsern produziert, weil es dabei auf das passende Lungenvolumen ankommt. Da kann man nicht einfach auf andere Quellen ausweichen. Und wir bleiben bei unseren Lieferanten, auch wenn sie ihre Preise wegen steigender Energiepreise anpassen müssen.
Apropos Jubiläum. Wie hat sich das Leuchtendesign rückblickend verändert?
JEAN-MARC DA COSTA: Wenn ich für uns spreche, dann sind unsere Entwürfe immer minimalistischer geworden, was vor allem die industrielle Fertigung ermöglicht. Bei unseren ersten Leuchten ist erkennbar, dass unsere Freiheiten damals vergleichsweise eingeschränkt waren: wir griffen häufig auf Halbzeuge zurück und kombinierten sie additiv. Später kamen neue Technologien und Materialien hinzu, Druckgussteile, Aluminiumschaum beispielsweise oder Glas. Insbesondere der Einsatz von LEDs brachten einen enormen Schub, weil sie neue formale und funktionale Ideen triggerten. Dennoch haben wir nach wie vor Leuchten im Programm, die wir vor 25 Jahren konzipierten, das sind fast schon Ikonen. Heute steht bei uns primär die Lichtqualität, die Effizienz und die Entblendung im Vordergrund. Die Formensprache der Leuchten selbst ist teils super reduziert. Zum guten Leuchtendesign gehört für uns heute stets die einfache Montage sowie die Vielseitigkeit, dank der sich unsere Produkte auch in großen Projekten einsetzen lassen.