
HERSTELLER
PROSERVATION GmbH
Stuttgart
proservation.eu
DESIGN
PROSERVATION GmbH
Lisa Scherer
proservation.eu
und
urnique UG (haftungsbeschränkt)
Liliane Boehm
urnique.de
Immer mehr Menschen hier zu Lande präferieren eine spätere Feuerbestattung – und nicht wenige möchten in einem Friedwald ihre letzte Ruhe finden. Dafür braucht es Urnen, die sich vergleichsweise rasch abbauen und damit ökologisch unbedenklich sind. Maximal zwei Jahre dauert es, bis die ausgezeichnete Urne rückstandsfrei zersetzt ist und die Asche in den natürlichen Kreislauf übergehen kann. Dafür sorgt das Material Recou, bestehend aus Dinkelspelzen und einem pflanzlichen Bindemittel. Die schlichte, weich geformte Urne macht die Materialität erlebbar, lässt sich individuell verzieren und duftet nach Natur. Produziert wird sie per Handarbeit in der Manufaktur des Materialentwicklers.
JURY STATEMENT
Das ist ein großartiger und mutiger Ansatz, der die Bestattungskultur bereichert. Denn hier kommen zwei Aspekte ideal zusammen: ein neuer gestalterischer Ansatz und ein warmes und natürliches Material mit signifikantem Charakter, das zu Humus wird – und für Waldbestattungen zertifiziert ist.

„Die Urne lässt sich leicht individualisieren, ihr Duft weckt Erinnerungen.“
Eine Urne ist ein spezielles Produkt in einem hochemotionalen Kontext. Wie haben Sie in diese Nische gefunden?
LILIANE BOEHM: Schon im Produktdesignstudium habe ich mich für Urnen als Gestaltungsobjekt interessiert. Später, als ich selbst mit dem Tod konfrontiert wurde, habe ich das Interesse wieder verspürt und festgestellt, dass sich in der Branche immer noch nicht viel getan hat. Gemeinsam mit Jan Loss habe ich dann eine Kollektion mit Urnen erstellt, die wir gerne gekauft hätten.
Die ausgezeichnete Urne besteht aus Spelzen, also Agrarresten. Was sprach für das Material?
LILIANE BOEHM: Wir waren – und sind stetig – auf der Suche nach nachhaltigen, schnell kompostierbaren Materialien, die vorzugsweise in Deutschland hergestellt und verarbeitet werden. Wir kamen so auf das Material RECOU von PROSERVATION. Das Team fand unsere Idee, aus ihrem Material eine Urne zu machen, sofort interessant. So konnten wir schnell die Entwicklung der Urne Grano beginnen.
Welche Zielgruppe adressieren Sie mit „Grano“?
LILIANE BOEHM: Kundinnen und Kunden, die unsere Grano schätzen, suchen meist nach einer besonders nachhaltigen Urne, die zum Beispiel im Ruheforst begraben werden kann und zugleich eine schöne Form hat. Die Urne wird gerne verwendet, weil sie ganz leicht zu individualisieren ist oder durch ihre Materialität und ihren Duft schöne Erinnerungen weckt.

Wie wichtig ist eine Auszeichnung wie der FOCUS OPEN für Sie?
LILIANE BOEHM: Weil sich in der Bestattungsbranche moderne Gestaltung erst nach und nach durchsetzt und Anklang findet, ist eine Auszeichnung wie der FOCUS Gold sehr wichtig für uns. Gerade unseren B2B-Kunden geben wir damit das Signal, dass Design in der Bestattungsbranche eine Rolle spielt und spielen sollte.
Haben Sie den Eindruck, dass sich der Umgang mit den Themen Tod und Bestattung verändert?
LILIANE BOEHM: Ja, durchaus. Wir sehen, dass beides anders diskutiert wird, auch über den aktuellen Anlass hinaus. Das liegt unter anderem an Menschen aus der Branche, die tolle Einblicke in ihre Arbeit geben und viel Aufklärungsarbeit leisten, etwa auf Social Media. Und es liegt an den Menschen – auch an Quereinsteigern wie uns–, die neue Ideen mitbringen und mit einfühlsamer Gestaltung das Thema zugänglicher machen.