Interview: Armin Scharf
Fotos: PARO DESIGN
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paro design INTERVIEW
„Die Herausforderung des Hockers“

Der FOCUS OPEN versteht sich bekanntlich auch als Förderpreis für Design-Newcomerinnen und -Newcomer. Ausgezeichnete gewinnen doppelt, denn der Award bringt wichtige Aufmerksamkeit. Im vergangenen Jahr prämierte die Jury Patrick Rothweiler – für seinen steckbaren Hocker.

Ein Hocker ist ein Hocker ist ein Hocker – sollte man meinen. Aber dem ist nicht so: Es gibt dreibeinige Hocker, vierbeinige, hohe, niedrige, jene mit runder Sitzfläche, stapelbare Exemplare und jetzt auch zerlegbare. Tatsächlich lässt sich „theHOCKER“ – welch treffender Name – mit zwei Handgriffen demontieren, werkzeuglos versteht sich. So wird aus dem praktischen und schicken Möbel ein fast zweidimensionales Paket, das sich platzsparend versenden oder lagern lässt, sollte es mal nicht gebraucht werden. Dennoch ist „theHOCKER“ alles andere als ein Notsitz, sondern ein vollwertiges Möbel aus feinem Multiplex-Holz.

Entworfen hat „theHOCKER“ Patrick Rothweiler aus Stuttgart – seine Möbelmarke PARO DESIGN zielt auf minimalistisches Design, egal ob für Hocker oder Betten. Rothweiler, eigentlich auch Architekt, hat klare Ideen, will seine Marke ausbauen und sitzt während des Video-Interviews in einem Stuttgarter Coworking-Space..



Patrick Rothweiler, Gründer von PARO DESIGN. 
 

„theHOCKER“ wurde beim jüngsten FOCUS OPEN mit dem Label „Special Mention“ ausgezeichnet. Was bedeutet diese Auszeichnung für ein junges Label wie PARO DESIGN?

PATRICK ROTHWEILER: Das war der erste Design-Award überhaupt, an dem ich teilgenommen habe – und ich wurde gleich ausgezeichnet. Das motiviert natürlich sehr, vor allem, weil das Votum von Design-Profis kommt, die das Potenzial des Möbels erkannt haben. Es bestätigt mich in meiner Arbeit.
 

Worin besteht der Reiz, einen Hocker zu entwerfen. Im Grunde ist der Typus ja schon „ausgestaltet“, oder?

PATRICK ROTHWEILER: Also, es war eigentlich nie geplant, einen Hocker zu entwerfen, aber mitunter entstehen eben spontane Ideen. Für mich ist ein Hocker eine Art Urmöbel, wenn man so will. Also ein Möbeltypus, der mich schon immer begleitet hat und in gewisser Weise ein selbstverständlicher Alltagsgegenstand ist, über den man eigentlich nicht nachdenkt. Ein einfaches Produkt, sollte man meinen. Aber weil der Hocker so minimiert ist, muss man seine Gestaltung exakt auf den Punkt bringen. Letztlich war es mir wichtig, einen Hocker zu entwerfen, der nicht nur stimmige Proportionen und eine gute Qualität bietet, sondern auch einen neuen Mehrwert bereithält, also die Option, ihn zu komprimieren, wenn er nicht benutzt wird. Spätestens hier kommt die Funktionalität ins Spiel, denn die Steckverbindung muss dauerhaft präzise funktionieren. Gerade das Stecken animiert übrigens die Menschen dazu, den Hocker auszuprobieren und damit zu spielen.
 

Sie sind eigentlich Architekt – wie kommt man da zum Möbel?

PATRICK ROTHWEILER: Anders als in der Architektur kann ich hier Ideen direkt und schnell umsetzen, weil ja zunächst nur ich im kreativen Prozess involviert bin. Der Weg von der Skizze zum Prototyp ist kurz, beim Hocker war ich selbst überrascht. Aber genau diese Direktheit reizt mich. Übrigens gilt das auch für das Feedback, das Nutzer und Käuferinnen geben.
 


Der "Multiplex Couchtisch 2024-oval" bietet ausreichend Platz für Bücher, Dekorationen oder Ihre Lieblingsgetränke. Die schwarzen Tischkufen aus Stahl verleihen ihm einen modernen Touch und sorgen gleichzeitig für Stabilität und Langlebigkeit.
 

Entwirft man als Architekt anders?

PATRICK ROTHWEILER: Das kann ich nur für mich beantworten. Vor dem Architektur-Studium habe ich eine Lehre zum Werkzeugmacher absolviert, da wird extrem exakt gearbeitet, teils auf Tausendstel genau. Bei der Architektur denken wir in Zentimetern. Möbel liegen irgendwo dazwischen, außerdem versuche ich, Metall und Holz miteinander zu verbinden, also die Werkstoffe aus meinen beiden beruflichen Welten in den Möbeln zu kombinieren. Also, um die Frage zu beantworten: Ja, ich denke schon, dass man anders mit Proportionen, Materialien und Funktionalitäten umgeht.
 

Wie zeigt sich das im Portfolio von PARO DESIGN?

PATRICK ROTHWEILER: Wie gesagt, ich kombiniere gerne Holz und Metall, das nenne ich „HoMe-Linie“. Auf der einen Seite ist das der natürliche Werkstoff Holz mit seiner typischen Haptik und seinem Geruch. Das spricht viele Menschen an, verständlicherweise. Dem stelle ich dann Stahlelemente gegenüber, also ein kaltes, aber langlebiges Material, das schlanke Konstruktionen erlaubt. Letztlich geht es mir immer um Details, um beste Qualität und klare, reduzierte Linien.
 

Und wie produzieren Sie Ihre Möbel?

PATRICK ROTHWEILER: Also Prototypen baue ich natürlich stets selbst, das ist klar. Außerdem liebe ich das handwerkliche Arbeiten mit seinen spannenden Prozessen. Für die Serienproduktion arbeite ich mit Unternehmen aus der Region zusammen. Ich lege sehr großen Wert auf die direkte Kommunikation mit meinen Partnerinnen und Partnern, das sichert letztlich meine hohen Qualitätsansprüche.
 

Ist PARO DESIGN eher ein Serienproduzent oder eine Manufaktur?

PATRICK ROTHWEILER: Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, braucht es die skalierbare Serienfertigung. Einzelstücke sind zwar schön, rechnen sich aber nicht immer, weil sie in der Entwicklung unglaublich aufwendig sein können. Umgekehrt lassen sich aus Serien auch Einzelstücke ableiten, das ist schon interessanter. Dennoch verstehe ich PARO DESIGN als eine regionale Manufaktur, die auch Unkate realisiert. Diese zwei Seiten sind mir sehr wichtig.
 

Auf Ihrer Website bieten Sie auch Hoodies und Shirts an. Sind Sie ein Multitalent?

PATRICK ROTHWEILER: Nein, nicht unbedingt. Aber ich verstehe mich schon als sehr kreativ. Während des Studiums hatte ich Kontakt zur Modebranche, daraus entstand dann die Idee für minimalistische, aber hochwertige Basic-Mode, die auch fair produziert wird und zum PARO-Feeling passt. Außerdem geht es auch hier um Materialität.
 

Wo wird PARO DESIGN wohl in fünf Jahren stehen?

PATRICK ROTHWEILER: Das primäre Ziel ist, sich auf dem Markt zu etablieren – als ein Unternehmen, das hochwertige Möbel für designaffine Menschen produziert. Die größte Challenge ist dabei natürlich der Vertrieb, denn neben dem Online-Shop möchte ich natürlich auch den stationären, regionalen Handel gewinnen. Kreativen fällt es komischerweise oft schwer, die eigenen Produkte anzupreisen und zu verkaufen. Das geht mir ähnlich, deshalb suche ich für diesen Bereich bald Unterstützung.



Das Bett "TIMELESS I" besteht aus Multiplex Birke mit hochwertigem Schichtstoff.

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Patrick Rothweiler hat Paro Design vor rund vier Jahren gegründet. Er ist freier Architekt und gelernter Werkzeugmechaniker. Mit Paro Design entwickelt und produziert er Möbel in Kleinserie sowie als Einzelstücke – als Gegenpol zu Massenfertigungen.

parodesign.de