Interview: Armin Scharf
Fotos: SATTLER GmbH
« ZURÜCK

SATTLER-RE INTERVIEW
Wie neu – oder besser: Upcycling gebrauchter Leuchten

Mit SATTLER-RE hat die Göppinger Leuchtenmanufaktur eine Untermarke gegründet, die sich auf Rücknahme, Wiederaufbereitung und Wiederverkauf seiner Leuchten konzentriert. Über diese beispielhafte Nachhaltigkeits-Strategie sprachen wir mit Geschäftsführer Sven Sattler.

Seit 2023 bietet der mittelständische Leuchtenhersteller SATTLER eine Rücknahmegarantie für eigene, gebrauchte Leuchten an. Die werden in Göppingen zerlegt, wo nötig mit neuen Komponenten ausgestattet und dann unter anderem über den eigenen Onlineshop angeboten. Eine mutige Initiative, schließlich ist der Refurbish-Prozess mit Rückkauf, Demontage, Prüfung und Austausch von Komponenten komplexer als der traditionelle, lineare Produktionsablauf. Doch SATTLER kommt heute zugute, dass seine Produkte – darunter auch die ikonischen Ringleuchten – von Beginn an wartungsfreundlich und langlebig konzipiert wurden. Das zahlt sich nun positiv aus.



In der Manufaktur entstehen Leuchten, die durch handwerkliche Präzision und Liebe zum Detail überzeugen.
Foto: Alex Wunsch

  

Herr Sattler, Rücknahme und Wiederaufbereitung – wie läuft das ab?

SVEN SATTLER: Wir kaufen die gebrauchten Leuchten zurück. Je nach Projekt, Typ und Menge kommt unser Team zum Abbau. Wir demontieren hier dann alles, prüfen die Komponenten und ersetzen sie, wenn es notwendig ist. Meistens tauschen wir Zuleitungen, Abhängungen und Netzteile. Die haben in der Regel eine kürzere Lebensdauer als die LED-Leuchtmittel selbst. Wichtig ist, dass die gebrauchten Leuchten die gleichen Normen erfüllen, wie Neuware. Das gilt übrigens auch für die Produkthaftung sowie Gewährleistung.
 

Das hört sich einfach an, aber wie takten Sie die Rücknahme ein?

SVEN SATTLER: Wir strukturieren unsere internen Prozesse sukzessive um und optimieren sie für das Refurbishment. Das betrifft natürlich in erster Linie die Abläufe für die Aufbereitung, schließt aber auch das Design und die Produktion der Neuware mit ein. Wir konzipieren Leuchten heute so, dass wir sie in fünf, zehn oder gar zwanzig Jahren noch einfacher in den nächsten Lebenszyklus überführen können.



Jede Leuchte wird sorgfältig und mit einem hohen Maß an Expertise gefertigt. 
  

Und wie gelingt das bei den Modellen, die schon geraume Zeit im Einsatz sind?

SVEN SATTLER: Erstaunlich gut. Offenbar haben wir schon damals vieles intuitiv richtig gemacht – so etwa die Entscheidung, Komponenten in der Regel zu verschrauben statt zu verkleben. Das erleichtert heute die Demontage erheblich. Unsere Ringleuchten zum Beispiel sind komplett wiederverwendbar. Von bestimmten Modellen haben wir schon Exemplare mit acht bis zehn Jahren Betrieb auf dem Tisch gehabt. Die LEDs hatten ja damals schon eine Farbwiedergabe von über 90, das ist ein Wert, der sich auch heute im High-End-Bereich sehen lassen kann. Die LEDs bleiben also meist drin, nur bei noch älteren Exemplaren tauschen wir die Leuchtmittel komplett. Das ist ein größerer Aufwand, der sich aber lohnen kann.



Die Materialien stammen von regionalen Zulieferern und unterstreichen den Qualitätsanspruch der SATTLER-RE. 

Was muss denn die LED beispielsweise noch können?

SVEN SATTLER: Es geht nicht nur um die LED allein, sondern um das ganze technische System. Der wirklich aufwendige Teil war für uns, klare Standards zu definieren. Bei den LEDs bedeutet das, dass eine Leuchte mindestens 75 Prozent ihrer ursprünglichen Effizienz aufweisen muss. Nur dann verwenden wir sie im Rahmen von Sattler-RE weiter. Liegt der Wert darunter, ersetzen wir die LED-Komponenten.
 

Wie reagiert der Markt auf Ihr neues Angebot?

SVEN SATTLER: Gespräche mit Architekten, Fachplanern und Objektentwicklern im Vorfeld haben uns bestärkt und bestätigt, dass unser Weg richtig und die Relevanz da ist. Noch sprechen wir über ein eher kleines Volumen, aber wir spüren großes Interesse und zunehmende Anfragen. Zugleich haben wir festgestellt, dass das Thema intensiv kommuniziert werden muss, was wir ja auch gerade jetzt tun. Upcycling wird ein großes Thema werden, nicht nur in der Lichtbranche. Unser Einstieg basiert auf fundierten Erfahrungen der vergangenen Jahre, denn wir haben ja schon vor der Etablierung von SATTLER-RE Leuchten zurückgenommen, um sie auf- oder umzuarbeiten. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen, das nicht nur in Großserien denkt, sondern sehr kunden- und lösungsorientiert agiert. Das ist unser Vorteil, wir sind sehr flexibel, schnell und können eine Pionierrolle einnehmen.

Jetzt sind wir beim unternehmerischen Aspekt angekommen. Was sagt der Controller zum Refurbishment?

SVEN SATTLER: Vielleicht sollte ich noch etwas zum Ablauf sagen. Wenn wir ein Rücknahme-Angebot erhalten, prüfen wir natürlich den Zustand und ermitteln einen möglichst fairen Rückkauf-Wert. Der Wiederverkaufspreis hängt dann in erster Linie davon ab, wie groß der Refurbish-Aufwand für uns ist. Denn unser Grundsatz ist, dass sich SATTLER-RE selbst tragen muss.
 

Konkret: Sind wiederaufbereitete Leuchten günstiger als neue Exemplare?

SVEN SATTLER: Jein. Die Erwartung, dass die Preise weit unter denen von Neu-Leuchten liegen, muss ich leider dämpfen. Denn im Grunde erhält der Käufer ein Produkt, das technisch geprüft, vollständig überarbeitet und somit quasi neuwertig ist. Würden Neuprodukte einer realistischen CO2-Bepreisung unterliegen, sähen die Verhältnisse ganz anders aus. Das gleiche gilt, wenn die Preise für die Rohmaterialien steigen.



Durch die Verwendung hochwertiger Oberflächen schaffen sie zeitlose Leuchten, die nicht nur funktional sind, sondern auch als Designobjekte begeistern.
 

Welchen Benefit haben dann die Käufer der Refurbish-Leuchten?

SVEN SATTLER: Erstens kann sich ein Kostenvorteil, der bei einer Leuchte gering aussieht, bei größeren Volumen schnell zu einer ordentlichen Summe addieren. Zweitens ist da der Nachhaltigkeits-Vorteil: Der CO2-Fußabdruck einer Refurbish-Leuchte ist um 95 Prozent geringer, das haben wir von ClimatePartner so bestätigt bekommen. Das ist ein großes Argument für ein klimagerechteres, nachhaltiges Bauen und kann optimierend in Zertifizierungen einfließen.
 
  

SATTLER-RE


SATTLER steht für Generationen von handwerklicher Exzellenz und Innovation in Design. Gegründet von Hans Sattler in den 50ern, weitergeführt von Ulrich Sattler in zweiter Generation und heute geleitet von Tim und Sven Sattler, vereint das Unternehmen Tradition und Innovation. SATTLER-RE ist eine Untermarke der SATTLER GmbH, einem mittelständischen Familienunternehmen, das Objektleuchten mit Sitz bei Göppingen produziert. Sattler wurde für seine hochwertigen Leuchten bereits mehrfach mit dem FOCUS OPEN, auch in Gold, ausgezeichnet.

sattler-lighting.com